Die Bedeutung des virtuellen Wassers

Ich habe heute morgen eine Tasse Kaffee getrunken. Dafür hab ich knapp 250ml Wasser benötigt. wassertropfenDachte ich auf jeden Fall, bis ich über den virtuellen Wasserverbrauch nachdenken musste. Danach zu urteilen hat meine Tasse Kaffee nicht bloß 250ml Wasser verbraucht, sondern ganze 140 Liter gingen verloren.

Jetzt fragt man sich natürlich, wie das sein kann? Schließlich verzehrt ein Mensch in Deutschland im Durchschnitt 146 Liter Kaffee pro Jahr. Aber doch keine 140 Liter pro Tag! Wir sprechen hier vom virtuellen Wasser, dessen Begriff der britische Wissenschaftler John Anthony Allan in den 90er Jahren geprägt hat. Allan definierte das virtuelle Wasser als die Menge Wasser, die während der gesamten Produktionskette eines Produktes verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wird.

1 Paar Lederschuhe = 8000 Liter Wasser

Der WWF hat zu dem Thema einen interessanten Bericht veröffentlicht. Demnach benötigt die Fertigung von einem Paar Lederschuhen knapp 8000 Liter virtuelles Wasser. Wer einen Hamburger isst verschwendet 2400 Liter, der Kauf eines T-Shirts verschwendet indirekt 4000 Liter Wasser.

Mit der Herstellung von Lederschuhen und Hamburgern ist z.B. die Rinderzucht ein entscheidender Faktor bei der Berechnung des benötigten Wassers. So frisst das Rind Ernteprodukte, die zuvor, mit Hilfe von viel Wasser, gezüchtet werden. Diese Liste könnte man unendlich lange fortsetzen. Es wird angenommen, dass 1KG Rindfleisch einen virtuellen Wasserbedarf von 15500 Litern besitzt. (Focus)

Was ist der Wasser-Fußabdruck?

Der Wasser-Fußabdruck ist eine Weiterentwicklung des virtuellen Wassers und beinhaltet das direkt verbrauchte Wasser, sowie das in Nahrung und Gütern enthaltene virtuelle Wasser. Viele von euch werden eventuell wissen, dass jeder Deutsche ungefähr 140 Liter Wasser am Tag verbraucht. Berechnet man nun das virtuelle Wasser, kommt jeder Deutsche auf einen täglichen Wasserverbrauch von 4000 Litern.

Außerdem ermöglicht der Wasser-Fußabdruck die Berechnung des Wasserverbrauchs für Einzelpersonen, Unternehmen und Nationen. Somit lässt sich auch ermitteln, wieviel virtuelles Wasser importiert oder exportiert wird. Der WWF geht noch weiter und sagt, dass wasserarme Länder Waren anbauen müssten, die wenig Wasser benötigen. Diese Länder sollten Waren importieren, die einen hohen Bedarf an Wasser haben. Leider sind solche Modelle meistens nicht ohne Haken. Den wasserarmen Ländern fehlt es oft an der nötigen Finanzkraft, um wasserreiche Waren zu importieren.

Zum Abschluß bleibt zu sagen, dass Unternehmen zuerst in der Verantwortung stehen etwas an ihren Methoden und Prozessen zu ändern. Schließlich kann der Konsument kaum Einfluß auf die Produktionsprozesse und Anbaumethoden der Global Player nehmen. Wer jedoch selber einmal seinen virtuellen Wasserverbrauch berechnen möchte, kann dies auf den Seiten des Water Footprint Network tun.

P.S: Ich habe nun meine zweite Tasse Kaffee getrunken…

Quelle des Bildes: asco

2 Gedanken zu „Die Bedeutung des virtuellen Wassers“

  1. Wir nutzen nicht nur virtuelles Wasser sondern noch mehr virtuelle Güter: Bodenfläche, Organische Substanz, Fruchtbarkeit von Böden und Gewässern, seelische und körperliche Gesundheit der Menschen in den Geberländern, soziale Sicherheit, Zukunftsfähigkeit, genetische Vielfalt, Artenvielfalt und manches mehr.

    Am Beispiel Organische Substanz: sie wird von Pflanzen hergestellt und ist Grundlage der Bodengare. Als Exportartikel wird ein Teil zu uns gebracht und hier zum (wahrscheinlich geringeren) Teil verzehrt und zum größeren Teil als Obstschalen, Baumrinde, Säge- und Schleifmehl, Obstkerne, Verluste bei Herstellung von Konserven, Packmaterial … verbraucht und weggeworfen oder verbrannt.

    Es wäre vielleicht rechnerisch besser, diese Abfälle plus des anfallenden Kots zu kompostieren und in die Geberländer zurück zu transportieren und wieder auszubringen. Die Frage der Kosten ist auch nicht leicht zu lösen (ich meine nicht die Herkunft des benötigten Geldes sondern .

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