Die Katjes-Lüge – Warum Süßigkeiten, trotz 0% Fett, dick machen

Das ist wahrscheinlich ein großer Traum von vielen Menschen. Nahrungsmittel, die so schmecken wie Gummibärchen, dazu gesund sind und nicht dick machen. Seit geraumer Zeit wirbt Katjes damit, dass ihre Katzenpfoten, salzigen Heringe und andere Süßigkeiten aus der Tüte mit 0% Fett die Schlankheitslinie nicht gefährden.

Der Blick auf die Packung scheint auch seine Richtigkeit zu haben. 0% Fett steht auf der Rückseite! Wer sich jedoch ein bisschen mit seiner Ernährung beschäftigt, wird schnell erkennen, dass das Ziel von Katjes nicht die Revolution des Süßigkeitenmarktes ist. Das Unternehmen möchte ihre Produkte schlicht weg werbewirksam an den Kunden bringen und dazu den Trend von Ernährungs-Seminaren und allgemein gesunder Ernährung benutzen.

Die Jogger-Lakritz Gums haben beispielsweise folgende Nährwertangaben pro 100g:

Brennwert: 1440 KJ / 339 kcal
Eiweiß: 5,2 g
Kohlenhydrate: 79 g
davon Zucker: 66 g

Umgeformt heißt dies, dass der Zuckeranteil der Kohlenhydrate bei 83% liegt! Insgesamt besteht ein Jogger-Lakritz-Gum also aus 66% reinem Zucker. Auch auf anderen Verpackungen von Katjes, bei denen mit einem um 40% verringerten Zuckergehalt geworben wird, befinden sich in 100g 57g Kohlenhydrate, wovon 28g Zucker sind.

Ein Zuckerwürfel wiegt ungefähr 3 Gramm. Wir haben in einer 100g-Tüte der Jogger-Lakritz-Gums also 22 Zuckerwürfel!

Der Körper braucht Zucker, aber nicht zu viel

Unser Körper braucht Kohlenhydrate für die Energiegewinnung. Dabei beginnt alles mit dem Adenosintriphosphat (ATP), welches bei jeder Muskelkontraktion und anderen energieverbrennenden Aktivitäten beteiligt ist. Da ATP nur in geringer Konzentration vorliegt, muss dieses durch aeroben und anaeroben Abbau energiereicher Verbindungen wie Fette, Kohlenhydrate oder Proteine in den Zellen nachgeliefert werden.

Dabei sind Kohlenhydrate für den Körper der wichtigste Energielieferant und können, im Gegensatz zu Fetten, relativ schnell verwertet werden. Die Energieversorgung wird durch im Blut gelöste Glucose sichergestellt. Die Glucose wird während der Verdauung aus der Nahrung extrahiert und ins Blut geschleust. Um den Zellen den Befehl zu geben, dass diese die im Blut gelöste Glucose aufnehmen sollen, benötigen wir Insulin. Nach der Nahrungsaufnahme und dem Anstieg des Blutzuckerspiegels wird also Insulin ausgeschüttet um unserem Organismus den Befehl zum Glucoseabbau zu erteilen. Dabei ist auch entscheident, wie schnell die Glucose aus der Nahrung in die Blutbahn gelangt. Stärkehaltige Lebensmittel wie Brot oder die Kartoffel werden beispielsweise langsamer in seine Bestandteile zerlegt und bringen daher einen langsam Anstieg des Blutzuckerspiegels mit sich.

Zucker wird zu Fett

Die direkte Einnahme von Zucker führt zu einem schnellen Anstieg des Blutzuckerwertes. Wir können diese Art von Nahrung gebrauchen, wenn wir geistig stark beschäftigt sind oder uns körperlich betätigen. Die meisten Menschen nutzen Süßigkeiten aber zum Naschen und das in der gar nicht aktiven Zeit – nämlich vor dem Fernseher.

Wenn unser Körper also in einer Phase ist, in der nicht viel Energie benötigt wird und wir ihn mit Zucker versorgen, verfügt der Organismus über einen Energieüberschuss. Wer jetzt denkt, dass die überflüssige Energie einfach ausgeschieden wird, irrt. Der Zucker, der nicht mehr für die Energiegewinnung benutzt wird, wird vom Körper zum Aufbau von Fettsäuren benutzt. Schließlich war es vor hunderten von Jahren öfter der Fall, dass es kurzzeitig ein Überangebot an Nahrung gab und später eine Dürrezeit überstanden werden musste. Unser Körper speichert die überschüssige Energie also für magere Zeiten!

Es ist sehr ungünstig für unser Idealbild, dass es vermutlich in naher Zukunft keine Dürrezeit geben wird. Trotz 0% Fett wird der hohe Anteil an Zucker letztendlich doch zu Fett umgewandelt! Kein Wunder, dass Katjes auf die Verpackung nicht „mit 66% Zucker“ schreibt. Das würde vermutlich niemand mehr kaufen. Also, Finger weg!

6 Gedanken zu „Die Katjes-Lüge – Warum Süßigkeiten, trotz 0% Fett, dick machen“

  1. Pingback: Webnews.de
  2. Das Selbe trifft ja auch auf bestimmte Cornflakes-Sorten zu, die mit einem Fit- und Wellnesseffekt werben wegen starken 0% Fett. Der hohe Zuckeranteil wird natürlich ignoriert. Im Prinzip sind fast alle Wellnessprodukte Schmu, da immer zu viel Zucker drin ist, als dass man sich damit was Gutes („wellness“) tut.

  3. Stärke (und alle anderen Kohlenhydrahte) und Eiweiß enthalten genauso viel Kalorien wie Zucker. Sobald die Kalorienbilanz negativ ist, wird alles in Fett umgewandelt.

    Wenn man so argumentiert, dann macht auch eine Banane oder Müsli dick.

  4. Ich sehe das ganz genauso wie grizzly.

    Bei dieser Argumentation dürfte man nur noch Ballaststoffe essen, aber von denen erhält man keine Energiezufuhr, der Körper muss also von seinen Fettreserven zehren und wenn man sich so ernährt und dies auch durchhalten würde, langfristig verhungern.

    Der Unterschied macht also die Art und Weise aus, wie schnell Zucker dem Körper zugeführt werden kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *