Gefährlicher Irrglaube: Warum die Hautkrebsgefahr gebannt ist, wenn man bereits vorgebräunt ist…

Ja, das frage ich mich allerdings!
Wieviele Sommer lag ich am Ostseestrand und musste mir derartigen Blödsinn anhören. Natürlich sieht eine schön sonnengetönte Haut im Sommer toll aus, aber nicht um jeden Preis.

Wenn man bedenkt, wieviele Menschen sich zur Hochsaison der Roten Armee anschließen, bekommt doch das Attribut „krebs-rot“ eine neue und leider passende Bedeutung.

Durchaus hat ein kontrolliertes Sonnenbaden für den Körper schöne Wohlfühleffekte. Zum Beispiel wird die Vitamin-D-Synthese angeregt. Dies ist ein Vitamin, welches durch Sonnenexposition im Körper gebildet wird und seinen Teil zum Calciumstoffwechsel beiträgt. Vitamin D3 kann zusätzlich unterstützend zum Calciumstoffwechsel wirken, um z.B. Knochen und Zähne gesund zu erhalten.

Der Lichtschutzfaktor

Wenn der Mensch sich aber länger ungeschützt der Sonne aussetzt, als sein innerer Schutzmechanismus es abwehren kann, entsteht ein Sonnenbrand. Man spricht davon, dass die minimale Erythemdosis (MED) eines Sonnenanbeters überschritten wurde. Unter Erythem versteht man eine Rötung der Haut. Und auf dieser Grundlage berechnet sich auch der Lichtschutzfaktor (LSF oder engl. SPF: Sun Protection Factor).

LSF= MED gecrémt / MED ungecrémt

Auch wenn man auf gesundem und vernünftigem Wege im Urlaub eine schöne Bräune bekommen hat, heißt das noch lange nicht, dass man mit dem Crémen aufhören kann. Nur weil vielleicht ein Sonnenbrand nicht mehr unbedingt zu erwarten ist, würde auf ungeschützte Haut immernoch die UV-Strahlung ungebremst einwirken. Die Wirkung der UV-Strahlen ist durchaus unterschiedlich.

Die UVB-Strahlung dringt nur in die obersten Hautschichten ein und sorgt dafür, dass wir einen Sonnenbrand bekommen. DNA-Schädigungen gibts gratis dazu.

Die UVA-Strahlung dringt in tiefere Hautschichten und führt unter anderem im Laufe der Jahre zur UV-bedingten Hautalterung. Achtet bei der Gelegenheit mal auf ältere Profigolfer. Viele schützen ihre Haut im Nackenbereich nicht und man kann dort im Alter die Haut einer Schildkröte wiedererkennen.

Die Haut merkt sich jedes Sonnenbad

Gelangen also diese Strahlungen ungehindert in die Haut, lassen sich DNA-Schäden der Hautzellen nicht vermeiden. Und eine veränderte DNA kann nicht mehr so „arbeiten“ wie es für eine gesunde Zelle nötig wäre, sondern kann zu Mutationen führen und irgendwann auch zum Tumor, womit wir einen Hautkrebs hätten.

epidermisQuelle: Julias eigene Darstellung

Was eine Sonnenmilch wirklich leisten muss

„Alle Sonnenschutzmittel sind gleich, ist doch egal was man nimmt.“
Das würde ich so nicht unterschreiben. Am wichtigsten ist, dass man eine Créme benutzt die sowohl vor UVA- als auch vor UVB-Strahlung schützt. Heute haben eigentlich die meisten Crémes diesen Standard, aber nachprüfen kostet ja nichts. Denn was nützt uns eine sonnenbrandfreie Haut (also eine Créme mit UVB-Schutz), wenn wir dafür irgendwann ein ähnliches Hautprofil haben wie Herr Bohlen (Créme ohne UVA-Schutz verwendet).

Weiterhin sollte in Crémes auch ein wirksamer Schutz gegen die sogenannten freien Radikale gewährleistet sein. Diese schädigen verschiedene Zellbestandteile. Der Schutz geschieht meist durch Vitamine, wie zum Beispiel das Vitamin E. In den Ingredients auf der Verpackung meist unter Tocopherol o.Ä. zu finden.
Wichtig ist auch, dass die Créme wasserfest ist. Trotzdem sollte nach dem Baden auf trockener Haut nachgecrémt werden. Denn jeder kennt die berühmten „Ölteppiche“ im Meer und daran sieht man, dass doch einiges an Créme wieder runter geht. Noch mehr Schutzcréme geht jedoch durch das Abtrocknen verloren.

Nicht zu vernachlässigen: die Pflege

Ein Sonnenschutzmittel sollte des Weiteren auch pflegend sein. Durch einen langen Aufenthalt in der Sonne trocknet die Haut aus und muss somit mit Feuchtigkeit versorgt werden. Meistens ist dafür Glycerin in der Créme enthalten. (Auch in den Ingredients zu finden.) Um die Haut von dem Sonnenstress etwas zu beruhigen, ist Panthenol in der Créme sehr geeignet.

Was wir allerdings meiner Meinung nach in einer Schutzcréme nicht brauchen, ist Schutz vor Infrarot-Licht. Ja, solche Crémes gibt es tatsächlich… Denn diese Strahlung hat nur Wirkung auf das Wärmeempfinden in der Haut und ist somit nicht gefährlich.

Weiterhin lieber mit einem hohen LSF anfangen und auch mal in den Schatten verschwinden, gerade wenn die Strahlungsintensität am höchsten ist, so in der Mittagszeit. Ein schönes Mittagsschläfchen oder ein nettes Buch zu lesen geht im Schatten nämlich viel besser, ich spreche da aus Erfahrung.

Schaut doch mal auf die Sonnenschutzcréme eures letzten Urlaubs und vergewissert euch, dass diese Kriterien erfüllt sind. Der Blick lohnt sich spätestens für den nächsten sonnigen Tag.

Also, schließt euch bitte nicht der Roten Armee an und erhaltet somit euer größtes Organ, nämlich die Haut, gesund. Dazu haben im Tierreich rote Farben am Körper einen Warneffekt gegenüber Fressfeinden. Da fragt man sich doch, vor wem sich die Sonnenbrandjunkies so fürchten? Kanibalen? Ich weiß es nicht.

7 Gedanken zu „Gefährlicher Irrglaube: Warum die Hautkrebsgefahr gebannt ist, wenn man bereits vorgebräunt ist…“

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  2. Interessanter Artikel, aber wie kann ich denn nun konkret den Lichtschutzfaktor (LFD) ausrechnen?
    Dieser ist ja laut Formel:
    LFD = MED gecrémt / MED ungecrémt
    Muss ich nun einen Selbstversuch starten, um die MED ungecrémt herauszufinden und dann die MED gecrémt auf einen Wunschwert setzen?

  3. Hallo Constantin,
    diese Formel zur Berechnung des LSF die ich aufgeführt habe, ist nicht für den Selbstversuch gedacht. Die Schäden, die bei dem Versuch mit ungecrémter Haut enstehen würden, könnte ich nicht verantworten ;).
    So ermittelt die Kosmetikindustrie die LSF für ihre Sonnenschutzprodukte. Dieses Verfahren ist ein europäischer Standard. Je nachdem welchem sogenannten Phototyp du angehörst, benutzt du Sonnencrémes mit entsprechendem LSF. (Darüber kann ich ja dann nochmal einen Kurzbericht bringen ;))

  4. Schöner Artikel, aber ich glaube in der Überschrift fehlt ein NICHT.

    Gefährlicher Irrglaube: Warum die Hautkrebsgefahr NICHT gebannt ist, wenn man bereits vorgebräunt ist…

    Oder aber es müsste heißen:

    Gefährlicher Irrglaube: Hautkrebsgefahr durch vorbräunen gebannt

  5. Der Titel ist in der Tat etwas verwirrend. Den solltet ihr noch mal überdenken 😉

    Ansonsten natürlich sehr nützlicher Artikel. Weiter so!

  6. Oh je, ich wollte mit meinem Titel keine allgemeine Verwirrung stiften ;)!
    „Warum, oder dass die Hautkrebsgefahr gebannt ist, wenn man bereits vorgebräunt ist“ ist der gefährliche Irgglaube, den ich in meinem Artikel diskutiert habe und sollte in der Form lediglich der Provokation dienen. Denn genau solche falschen Aussagen konnte ich mir am Strand des öfteren anhören. Ich hoffe, ich konnte etwas Klarheit in die Überschrift bringen 😉

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