Haariger Irrglaube – Warum Haare nach der Rasur doch nicht schneller nachwachsen

Es gibt eine neue Autorin auf MeinLebensstil! Ihr Name ist Julia, sie studiert Kosmetikwissenschaft und Biologie in Hamburg und hat im Laufe ihres Studiums viel Know-How zu sämtlichen Belangen unseres Alltags gesammelt. Da viel im Fernsehen und in Zeitschriften über Kosmetika und andere Körperpflege berichtet wird, die aus wissenschaftlicher Sicht schlicht weg falsch sind, möchte Julia damit hier für Klarheit sorgen! Deswegen wird sie mit den weit geläufigen Vorurteilen aufräumen und ihr Wissen mit uns teilen. Danke! Im ersten Teil dieser Irrglauben widmet sich Julia der Haarentfernung. Viel Spaß!

Der Mensch ist ein behaartes Lebewesen, finden wir uns damit ab. Dass nicht jeder seine wollige Pracht an der einen oder anderen Körperstelle zur Schau stellen möchte ist durchaus nachvollziehbar. Eben dafür stehen uns viele Mittelchen und Wege, ob nun schmerzhaft mit beispielsweise Wachs oder sanft mit Enthaarungscreme, zur Verfügung, um uns von dem Pelz zu befreien.
Nur kursieren immernoch Ammenmärchen um das Thema Haarentfernung mit denen ich hier und heute einmal aufräumen möchte.

Haare wachsen nicht schneller nach der Rasur

rasierenEs gibt sicher genügend pubertierende Jungen die heimlich im Bad stehen und sich mit Papis Profi-Rasier-Equipment ihren Oberlippenflaum entfernen, in der Hoffnung am nächsten Tag in der Schule einen verdammt männlichen Stoppelbart zu präsentieren.

Ähnliche Problematik auch bei den Frauen. Besonders junge Mädchen bereitet die Haarentfernung Kopfschmerzen, von allen Seiten kommen gut gemeinte Ratschläge: Nein, bloß nicht rasieren! Die Haare wachsen danach viel schneller, werden schwarz und borstig!
Was für ein Albtraum, wenn dem so wäre, müsste es auf der Straße vor lauter Samsons nur so wimmeln. Tatsächlich hat eine Rausur *keinen* Einfluss auf Wachstumsgeschwindigkeit, Anzahl, Farbe und Durchmesser der Haare!

Auch die Haarfarbe wird sich nicht ändern

Aber warum kommt es einem denn so vor, als würden Haare borstiger wieder nachwachsen? Ganz einfach, Haare die nicht rasiert werden wachsen natürlich mit einem spitzen Ende aus der Haut heraus. Wenn man ein Haar rasiert, schneidet man es gerade ab, wodurch ein breiterer Querschnitt des Haares entsteht.
Vergleicht man den breiten, rasierten Haarquerschnitt mit dem schmalen, spitzen und unrasierten Querschnitt, so kann es sein, dass es einem vorkommt, als sei das rasierte Haar dicker nachgewachsen.

Auf die Haarwachstumsgeschwindigkeit kann man durch eine Rasur auch keinen Einfluss nehmen. Man schneidet das Haar dabei direkt an der Hautoberfläche ab und da Haare in der Regel 0,35mm am Tag wachsen, ist es klar, dass schon nach ein bis zwei Tagen Stoppeln zu sehen sind.
Haarwachstum und Haarfarbe werden im Haarbulbus geregelt und sind genetisch festgelegt. Das ist der unterste Teil eines Haarfollikels und sitzt tief in der Haut. Bei einer Rasur (Depilation) wird dieser Teil nicht beschädigt und somit sind auch keine Veränderungen an Farbe, Dicke und Wachstum des Haares möglich.

abgeschnittenes haar
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schematische Darstellung des Unterschiedes zwischen einem rasierten Haar (links) und einem natürlich wachsenden (rechts)

Quelle: eigene Darstellung

Lediglich bei einer Epilation, mittels Epilierer, Kalt- oder Heißwachsstreifen etc., bleibt die Haut länger glatt. Denn es werden die Haare im Idealfall mit Haarwurzel herausgezogen. Bis sich diese wieder neu generiert und sich ein neues Haar herausbildet, dauert es eine Zeit.

Also keine Angst mehr vorm Rasierer und den vermeindlichen fiesen, dicken Stoppeln. Und wem das trotzdem nicht zusagt: Mit einem kleinen Winterpelz ist man auf jeden Fall für die kalte Jahreszeit gewappnet! 🙂

Quelle des Bildes: maol

6 Gedanken zu „Haariger Irrglaube – Warum Haare nach der Rasur doch nicht schneller nachwachsen“

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  2. Okay, ich zähle mich nicht zu den pelzigen Zeitgenossen, war bisher jedoch davon überzeugt, dass die Haare nach der Rasur schneller wachsen würden. Danke, dass du mich eines Besseren belehrt hast!

  3. Interessanter Artikel – mehr davon! Ich hätte jetzt gedacht, dass Haare nach der Rasur schneller wachsen, weil es sozusagen eine natürliche Körperreaktion ist für Haare auf der Haut zu sorgen – so kann man sich irren…

    Grüße

    Andreas

  4. Widerspruch!
    Warum hält sich das Gerücht so lange? Weil es vielleicht kein Gerücht ist, sondern alltägliche Erfahrung! Wenn hier Tom eines besseren belehrt wurde, dann ignoriert er in Zukunft seine Erfahrung!

    Manchmal habe ich das Gefühl, unsere „angeblichen“ Beweise sind nicht selten mittelalterlich? Wenn hier bei Haaren von toter Materie erzählt wird und Wurzeln nichts vom Schneiden mitbekommnen, dann frage ich mich, warum ich als Kind von 6 Jahren einen großen, langen Flaum am Hals bekam, nachdem ich es meinem Vater gleichmachte und mich am Hals rasierte?

    Und die meisten Männer haben selbst die Erfahrung gemacht, dass sie, nachdem sie Barträger waren und sich morgens diesen Bart abrasierten, am Abend fast noch kaum Haarstoppeln fanden. Hat es sich jedoch eingespielt und man möchte gut rasiert sein, muss man teilweise zweimal täglich rasieren. So ist meine Erfahrung jedes Mal.

    Da man aber davon ausgeht, dass Haare tote Materie sind, darf ein gegenteiliger Beweis nicht statt finden.
    So ist laut „unserer“ Wissenschaft nach wie vor Homöopathie nur Plazebo, trotz täglicher Gegenbeweise auch in der Tiermedizin.
    Man muss sich einmal vorstellen, nach deren Meinung sind alle ausgebildeten Homöopathen, (dauert Jahre), nur Zuckerverschreiber. Und das seit über 200 Jahren.
    Nach dem Motto: Was nicht sein darf, das nicht sein kann!

    Aber die Welt war ja auch schon einmal nach „veröffentlichter, anerkannter“ Wissenschaft auch schon einmal flach!

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